Goodies

Tourtagebücher - Pist On

12/06/2001

Vorgeschichte

Nachdem wir schon im letzten Jahr einen Teil der Deutschlandtour von Crowbar supporten durften, hat es auch in diesem Jahr wieder mit einer Tour geklappt. Die Booking-Agentur, die auch für Crowbar zuständig ist, hat aus England die Anfrage bekommen, ob sie für die New Yorker Band Pist On und deren italienische Support-Band Linea77 ein paar Deutschland- bzw. Österreich-Auftritte buchen wolle. Es fanden sich dann auch recht schnell fünf Dates, von denen uns einige in Aussicht gestellt wurden. Die Band hat uns schon immer gefallen, und so haben wir natürlich zugesagt! Zumal wir fast ideal zu Pist On passen, die auch einen sehr hohen Melodieanteil in ihren Songs haben - auch wenn wir insgesamt doch etwas härter zur Sache gehen... Zunächst waren wir also für die Shows in Hamburg und Berlin vorgesehen, schließlich haben wir aber alle Dates gespielt und somit entwickelte sich die Tour zum "größten Ding" das die Band je durchgezogen hat.
Wie üblich gabs für die Support-Band natürlich keinerlei Gage (wir waren schon froh, dass wir keinen Buy-on zahlen mussten!) und es war auch nicht vorgesehen, dass wir im Nightliner des Headliners mitreisen. Somit war von Anfang an klar, dass wir bei der Aktion draufzahlen würden, das wars uns aber wert! (Wozu packen wir denn die riesigen Gagensummen auch immer aufs Bandkonto... ;0)= ) Nachdem die Urlaubs- bzw. Überstunden-Situation mit unseren Arbeitgebern geklärt war, stand neben dem Übernachtungs- noch das Transportproblem an. Da wir unser gesamtes Equipment mitbringen mussten, kam eine Lösung mit Privatfahrzeugen schon mal nicht in Frage, ein Bus musste her. Ich hatte vor Ewigkeiten mal von der VW Soundfoundation gehört und hab mir dann übers Rock Hard, die auch gelegentlich Fahrzeuge von denen nutzen, die Nummer beschafft. Trotzdem ich relativ kurzfristig angefragt habe, hatten wir Glück und haben einen Bus ergattert für den wir nur die Versicherung zahlen mussten (bei jedem anderen kommerziellen Verleiher hätten wir pro Tag soviel gezahlt wie die Versicherung für die ganze Woche gekostet hat und hätten noch ne Kilometerobergrenze von 2000 gehabt). Blieb das Übernachtungsproblem. Hamburg war sehr schnell geregelt, auf der letzten Tour hat uns schon Sonja Lattwesen vom Rock Hard aus der Patsche geholfen (siehe Crowbar-Tourtagebuch), die war mittlerweile umgezogen und hat auf Anfrage sofort zugesagt uns aufzunehmen. In Berlin sind wir bei der Schwester von Susse, der Bookerin von Pre-Ignition-Touring einquartiert worden. Dann hat uns der Veranstalter in Jena ein Drei-Bett-Hotelzimmer zugesagt und in Linz konnten wir im Club selbst übernachten... das lief ja alles schon verdächtig gut und unkompliziert.
Bei einer der letzten Proben vor Tourbeginn platze dann die Bombe: Kuddel, unser Drummer, sollte doch keinen Urlaub bekommen, in seiner Firma gab es so viele Aufträge, dass erst mal ne kollektive Urlaubssperre verhängt wurde. Na prima, wir waren einigermaßen geplättet, Kuddel war aber wild entschlossen die Tour durchzuziehen, ne zeit lang sah es so aus, als ob er den Freitag wohl frei bekommt, am Mittwoch aber vormittags arbeiten müsste. Dann wäre er nach der Arbeit sofort zum Flughafen nach Stuttgart gebrettert und von dort grade noch so in time in Hamburg zum Gig gekommen. Schließlich hat er aber doch einen Vorgesetzten überzeugen können, dass er unbedingt frei braucht und wir konnten uns die Kohle für den Flug sparen...
Am Dienstag haben Joschi, seine Freundin und ich dann bei der VW-Vertretung Stuttgart-Vaihingen (noch nie so ein großes Autohaus gesehen!) von einer freundlichen Mitarbeiterin den Bus samt Schlüsseln übergeben bekommen. Alles top, riesengroß, schwarz und sogar mit Klimaanlage. Ich bin von dort dann direkt zum Arbeiten gefahren, Joschi hat mit Iris den Bus übernommen - später hab ich dann eine SMS von ihm bekommen, so nach dem Motto; Killer-Bus, wir fahren durch bis Italien!!!

13/06/2001

Mittwoch, 13.Juni 2001 - Hamburg, Markthalle

Hamburg ist für uns quasi am entgegengesetzten Ende Deutschlands. Wir kalkulierten mindestens sechs Stunden Fahrzeit ein, plus Stautoleranz, Pippi- und Kippenpausen ergab das ne Startzeit so gegen sechs Uhr morgens in Ellwangen. Zu meiner großen Überraschung waren die Herren Baschin und Rieger sogar überpünktlich bereits ne viertel Stunde vorher da und erwischten mich, wie ich grade aus der Dusche stieg. Die Fahrt nach Hamburg verlief ohne Komplikationen, der Bus erwies sich als wahres Speedmonster, ging mal locker 170-180 Km/h und somit waren wir auch viel zu früh in Hamburg. Den Club haben wir, trotzdem wir keine Wegbeschreibung hatten, auch sofort gefunden, mitten in der City, Nähe FuZo und Bahnhof. Die erste Hürde war in Form eine Rumpelstilzchen-artigen Parkwächters zu nehmen; der wollte uns ca. 30 DM abnehmen, damit wir den Tag hinter dem Club parken dürften... hat sich aber auch schnell geklärt nachdem wir mit Leuten von der Markthalle gesprochen haben. Bei der Gelegenheit machten wir auch Bekanntschaft mit dem Tourmanager Dave und seiner Crew, erster Eindruck: höfliche nette Leute. Load-in sollte erst so gegen 16 Uhr sein, wir machten uns also erst mal auf in die City. Hafenrundfahrt hatten wir ja beim letzten Mal schon (siehe Crowbar-Tourtagebuch), wir flanierten also über die Mönkebergstrasse zum Rathaus. Irgendwann fiel uns ein, dass sowohl ich als auch Kuddel noch Stuff aus nem Musikladen brauchen, denn am nächsten Tag war Frohnleichnam und an Feiertagen hat in Deutschland ja kein Musikladen offen... Nach kurzer Handy-Rücksprache mit unserer Eingeborenen mit Ortskenntnissen (Sonja Lattwesen) lösten wir ne S-Bahnkarte nach Altona, wo wir auch nach kurzer Zeit fündig wurden und das fehlende Material erstanden. Auf dem Weg durch die Stadt haben wir auch einige Plakate für den Gig gesehen, schon mal ein gutes Vorzeichen. Luxuriöser weise gabs sogar einen Stagehand, der uns beim Ausladen unseres Equipments half, so war das auch schnell erledigt, unser Zeugs war im Saal und nachdem Pist On mit Soundcheck fertig waren sollten wir dann checken. Nun folgte die Revenge of the Psycho-Parkwächter. Nach dem wir das eigentlich schon vormittags geregelt hatten, sprang uns der huzlige Kerl plötzlich wieder an und verlangte lautstark sein Geld. Wir entscheiden uns fürs ignorieren seiner Person, parkten bei einer günstigen Gelegenheit vor den Club und dachten damit sei die Sache geregelt, der Kerl kannte aber nix und verfolgte uns bis in den Club und nölte schließlich beim Tourmanager rum. Nach erneutem Palver mit ihm, Tourmanager, Clubmitarbeiter usw. haben wir natürlich nix gezahlt...
Nach und nach machten wir Bekanntschaft mit Pist On und auch sie waren glücklicherweise mehr oder weniger freundlich (die Basserin Val war eher zurückhaltend, still und fast schüchtern). Beruhigend war auch, dass der Gig der Dropkick Murphys, der am selben Abend im anderen Saal des Clubs angesetzt war, sehr kurzfristig abgesagt wurde (wegen akuter Bocklosigkeit der Band - kein Scheiss!), da würden bestimmt ne Menge Leute enttäuscht sein und sich dann vielleicht statt gar kein Konzert zu kriegen kurzfristig für Pist On entscheiden. (erwies sich leider als frommer Wunsch, denn die nörgelten alle nur Bier trinkend vor dem Club rum und fragten Passanten nach der berühmten Mark). Vor unserem Soundcheck wurde zum Mahl gebeten, lecker Reis mit lecker Gemüse, irgendwie asiatisch - für die Fleischesser konnte das Gericht mit Hühnchen upgegradet werden. Irgendwie lief das alles ja verdächtig gut...
Zu gut! Beim Soundcheck verweigerte mein Bass. Kein Ton, Furz oder auch nur ein laues Brummen war ihm zu entlocken - Katastrophe deluxe! Ich sah schon unseren Gig ausfallen, denn fahrlässigerweise hatte ich keinen Ersatzbass für die Tour auftreiben können. Rettung nahte in Form eines Lötkolbens den ein Mitarbeiter des Clubs auftrieb und des Chefroadies von Pist On namens Soldier. Der hatte die Lage nach einem schnellen Blick in das Innere meines Basses erkannt und behob das Problem innerhalb weniger Minuten: Mein neuer Gott! Die Bühne sollte die kleinste der ganzen Tour sein, nachdem wir unser Drum-Kit vor dem von Pist On arrangiert hatten, haben wir gerade noch so mit Ach und Krach daneben gepasst, mit Hin- und Herlaufen auf der Bühne war also heute Essig... na dann eben keine Scorpionspyramide am Schluss! Für diesen Abend hatten sich auch diverse Presse- und Plattenfirmen-Leute angekündigt, Pist On war das nicht ganz so recht, denn es war der erste Gig seit langer Zeit für sie (mehr als zwei Jahre) und sie hätten es lieber gesehen, wenn die Begutachtung durch die Presse zu einem anderen Zeitpunkt stattgefunden hätte, anyway... Für uns ergab sich dann spontan noch die Gelegenheit zu nem Interview mit dem Web-Mag Metal-Inside, der Redakteur war eigentlich wegen der Headliner da, hat dann aber fix mit uns auch noch ein kleines Inti gemacht, cool das.
Während unsere 45 minütigen Sets wurden wir dann quasi non stop von einem Fotographen aufs Korn genommen der zum Rock Hard gehörte und in Begleitung von Herrn Mühlmann war (der fand den Abend ja auch ganz cool, sein Review war jedenfalls so). Pist On haben mich danach völlig überzeugt. Die erste CD von ihnen hatte ich schon ewig, die zweite hab ich mir erst kurz vor der Tour vom Joschi besorgt und war noch nicht so ganz warm mit ihr geworden (was hauptsächlich am lauen Sound lag) - live haben mir aber auch die Songs total gefallen. Sie spielten an diesem Abend ihr längstes Set, inklusive der drei neuen Songs (besonders Vamp 69 ist ein Hit) die bisher unveröffentlicht sind und einer Coverversion (ich glaub von The Who). Den Großteil des Gigs konnte ich zwar nur von außerhalb des Saals hören, da ich an dem Abend fürs Merch zuständig war, der Sound war aber superkorrekt. Val machte, sobald sie die Bühne betrat, eine interessante Verwandlung durch, sie wurde dann mit einem Mal sehr extrovertiert, hat wild gebangt, ihr Gesicht verzerrt und die Songs voll gelebt. Auf jeden Fall eine Bereicherung für die Band, auch wenn einige im Publikum das eher an den tiefen Einblicken, die ihre offene Garderobe gewährte, festmachen würden... Für die Ladies wurde auch was geboten (?): Gitarrero Burton trat mit einer Art schwarzen Soutane auf und hatte ein Lätzchen um auf dem Pig stand. Unter der tollen Kutte hatte er nichts mehr an und gelegentlich gewährte er freie Sicht auf seine edelsten Teile.
Nach dem Gig haben wir noch ne ganze Zeit mit Susse (unserer Bookerin), Sonja Lattwesen und Bekannten von uns aus Oldenburg (die extra nach Hamburg gefahren sind um uns mal wieder zu sehen) gequatscht und ein paar Bierchen geleert. Irgenwann wollten die vom Club mal Feierabend machen und haben uns zärtlich hinauskomplimentiert... Da wir aber noch latent Hunger und Ortskundige am Start hatten, hat uns Sonja noch in eine Pizzeria geführt die im Straßenverkauf sehr leckere Mini-Pizzen bot. Praktischerweise lag die auf der Reeperbahn, so konnten wir diese Pflichtstation in Hamburg auch gleich abhaken. Wir saßen später noch ne ganze Zeit bei Sonja bei ein par Drinks in der Küche und haben Geschichten ausgetauscht - Danke für die Unterkunft!!

14/06/2001

Donnerstag, 14.Juni 2001, Berlin, Knaack

Nach einem reichhaltigen Frühstück haben wir uns gegen 11 Uhr von Sonja und Hamburg verabschiedet und uns auf den Weg gen Hauptstadt gemacht. Mit an Bord war Susse, die uns nach Berlin begleitete und bei deren Schwester Tina wir auch die nächste Nacht verbringen würden. Die Fahrt verlief unkompliziert, dank der sehr guten Ortskenntnisse von Susse sind wir auch hier ruckzuck am Club gewesen und haben dort den Pist On-Tross wiedergesehen. Wir machten uns also auf das Knaack zu besichtigen, trafen dabei die Crew und bis auf Burton auch alle von der Band. Burton war am Vortag in Hamburg angeblich irgendwas ins Bier gemischt worden, ihm gings jedenfalls nach dem letzten Bierchen nicht mehr ganz so gut und er hat wohl mehrmals sein Innerstes im Bus nach Außen gekehrt. Als wir aus dem Club wieder rauskamen, torkelte Burton dann auch grade sehr zerknittert ans Tageslicht. Er trug immer noch die selben Klamotten wie in Hamburg und begann auch gleich wieder munter den Rinnstein neben dem Bus mit seinem Mageninhalt zu beehren - legger! Stichwort legger: Die Verpflegung war erneut sehr gut, reichlich Snacks, Brötchen und Obst schon bei der Ankunft, ein voller Kühlschrank und sogar Kaffee. Später dann noch ne sehr schmackhafte Mahlzeit, was will man mehr. Pist On waren wie üblich sehr gemächlich am Soundchecken, hatten es nicht eilig, so waren wir im Zeitplan etwas hinterher, es gab aber zu keiner Zeit Stress und wir wurden auch locker mit unserem Soundcheck fertig. Bei unserem Gig gab es dann die Weltpremiere schlechthin: Joschi hat sich verspielt! Und zwar nicht so nen Ton daneben gesetzt sondern so richtig zu früh in den nächsten Part gewechselt... wir haben das Kind dann noch relativ souverän geschaukelt und das Publikum schien auch nichts gemerkt zu haben, für uns wars aber ne ungewohnte Situation. Pist On wirkten danach etwas unmotiviert und schlapp. Mag sein, dass es am mittelprächtigen Zustand von Burton lag oder an der geringen Zuschauerzahl (fiel aber in dem Club nicht groß negativ auf), Hamburg war definitiv besser und auch länger! Joschi hätte wohl auch gerne ein paar Songs von Pist-On verfolgt, ein alter Bekannter aus Jugendtagen war aber überraschend mit seiner Zukünftigen aufgetaucht und nahm ihn Backstage dermaßen unter Beschlag, dass an ein Entkommen nicht zu denken war. Um den Schwierigkeitsgrad noch zu erhöhen erwies sich die Zukünftige mit zunehmendem Alkoholpegel als schwer kontrollierbar; sie versuchte permanent den Backstageraum zu entern und sich am Bier und Catering zu bedienen. Der Club und der Veranstalter waren übrigens sehr cool, es gab sogar trinkbares Bier (Corona) und die Tische im Club waren alle von innen beleuchtet und wie so ne Art Radarschirm aufgebaut, es war als immer nur ein bestimmter Teil rotierend erleuchtet, sehr stylisch!
Untergebracht waren wir für diese Nacht bei Tina, Susses Schwester. Sie wohnt in einem sehr ruhigen und alten Stadtteil von Berlin, war erwartungsgemäß sehr nett und hatte ne prima Wohnung. Altbau, riesen, ewig hohe Zimmer, Parkettboden, exotische Haustiere und nen Pool. Nur nen Parkplatz vor der Haustüre gabs nicht, so hab ich die Jungs und Tina abgeworfen und bin mit Susse auf Parkplatzsuche gegangen. Als wir zurück waren, lagen die Jungs schon entspannt am Pool und beobachteten die exotischen Haustiere: Schildkröten in ihrem Aquarium - das aber echt schon kleine Pool-Ausmaße hatte... Noch gemütliches Schwätzchen und dann heiapopeia.

15/06/2001

Freitag, 15. Juni 2001: Jena, F-Haus

Da Susse heute wieder zurück nach Aachen musste und ne Mitfahrgelegenheit über die MFZ abgecheckt hatte, musste sie mit Tina recht früh zum Treffpunkt aufbrechen. Wir haben noch kurz gemeinsam gefrühstückt uns dann von Lovely Susy and Turtle Tina verabschiedet bevor sie die Wohnung verließen und wir weitergefrühstückt haben. Uns derartig zu vertrauen war natürlich ein schwerer Fehler: Wir haben die Schildkröten verspeist, die Wohnung verwüstet und noch ewig lange 0190er-Nummern auf Tinas kosten angerufen... nee, haben wir natürlich nicht, wir haben sogar noch aufgeräumt - nu ist wohl auch noch der letzte Rest Rockstar-Credibility zum Teufel...
Wo wir aber nun mal in der Huptstadt waren, wollten wir uns eigentlich noch was von ihr anschauen, haben den Plan dann aber doch verworfen um keinen Verspätung zu riskieren und pünktlich in Jena anzukommen. Als wir auf der Autobahn dann aber an der Babelsberg-Abfahrt vorbei kamen, sind wir doch spontan runtergefahren um uns die UFA-Studios anzuschauen. Rauf auf den Parkplatz und auch gleich wieder runter: Die wollten knappe 30 Latschos von uns haben und das mag der Eintritt wohl auch wert gewesen sein, wir hatten aber nicht die Zeit uns den ganzen Tag auf dem Gelände rumzudrücken - also wieder uffe Autobahn. Fahrt nach Jena war problemlos, in Jena haben wir uns dann per Handy mit dem Veranstalter in Verbindung gesetzt und auch hier fix zum Club gefunden. Und der war riesig! Riesige Bühne, Drumriser und große Anlage. In die Halle hätten locker 700 Leute reingepasst, mit der Empore wären es gute 1000 gewesen - um es vorwegzunehmen: es kamen nicht einmal ein Zehntel... Da sich alles wieder ordentlich in die Länge zog und es nix zu tun gab, bin ich noch etwas durch Jena gewandert und muss sagen: sehr schönes Städtchen! Es gab noch sehr viele alte Häuser und Strassen mit Kopfsteinpflaster, dadurch bekam es einen richtig heimeligen Flair. Klar, stellenweise haben sich auch hier die weltweiten Investoren wie H&M, McDonalds usw. breitgemacht, die Stadt hat aber noch genügend Eigenidentität. In manchen Fußgängerzonen lässt sich ja langsam schon nicht mehr sagen in welcher Stadt man sich befindet, fast alles gleich, egal wo man hinkommt. Zufälligerweise stieß ich in einem großen Einkaufszentrum auf eine Reptilienschau und das waren dann natürlich weitere Pluspunkte!
Der ganze Gig war etwas chaotisch organisiert. Der Veranstalter war Mr. Invisible. Er materialisierte sich im stundenabstand für wenige Augenblicke, ließ sich aber nach mehreren an ihn gestellten Fragen wieder in andere Dimensionen beamen und regelte kaum was - unseren Backstageraum bekamen wir z.B. erst etwa ne halbe Stunde vor dem Auftritt zugewiesen... Pist On hatten offensichtlich Probleme mit dem Songmaterial, der Soundcheck war mehr ne Bandprobe, Songs wurden ständig abgebrochen und über Abläufe und Einsätze diskutiert. Je länger wir gemeinsam unterwegs waren, umso mehr kamen wir untereinander ins Gespräch. So hatte ich erfahren, dass es die Band de facto jahrelang nicht gab, sie hatten sich nach der letzten Tour zerstritten, gehen alle einer geregelten Arbeit nach und haben sich erst kurz vor Tourbeginn wieder zusammengerauft, drei neue Songs aufgenommen und sind jetzt wieder auf Labelsuche...
An dem Tag spielte eine weitere Band: Nail. Die trudelten auch irgendwann nach und nach mal an, waren wohl aus der Gegend, ließ sich aber nicht so genau sagen, denn sie straften uns mit Ignoranz. Naja, als nächstes legten sie sich auch direkt mit dem Tourmanager an, da sie sich einfach so am Catering und dem Bier bedienten ohne irgendjemand nach etwas zu fragen. Dave ist wirklich sehr umgänglich, man muss aber sehen, dass es ihm immer zuerst um Pist On ging und er danach bereit war über andere Dinge zu reden. Wir hatten nicht ein einziges mal ein ernsthaftes Problem mit ihm, haben immer ausreichend Spielzeit, Essen und Drinks gehabt - man musste eben nur mit ihm reden. Vielleicht war es ein Sprachproblem... jedenfalls waren die Jungs offensichtlich sauer auf Dave und Pist On, pöbelten auch irgendwas von wegen Rockstars usw. rum und bekamen, nachdem sie zu spät angefangen, die reguläre Spielzeit überschritten und trotzdem noch einen weiteren Song begonnen hatten, auch prompt den Sound abgedreht und das Saallicht ging an. Wir bauten fix unser Equipment um, legten trotz der Verzögerung durch Nail pünktlich los und... rannten gegen die sprichwörtliche Wand. Sowas hab ich eigentlich noch nie erlebt: Zu Anfang standen noch vereinzelt Leute vor der Bühne, später konzentrierte sich fast alles in einer hinteren Ecke und knauserte mit Applaus - tote Fische hätten mehr Laune gemacht! Ich kann mir echt nicht erklären woran das lag, wir waren zwar etwas härter als Pist On, die Vorgruppe war aber definitiv noch härter und auch noch relativ schlecht (weil uneigenständig). Bei Pist On war später auch nur wenig mehr Begeisterung zu spüren, die Leute standen zwar anfangs vor der Bühne, gegen Schluss war es aber recht erbärmlich was noch vor der Bühne stand. Warum zahlen diese Leute viel Eintritt für Bands, die sie nicht sehen wollen? Unmittelbar nach unserem Auftritt kam ein Mädchen an den Bühnenrand, hat nach unserer CD gefragt und war wirklich begeistert vom Gig. Sie hatte mit ihrem Begleiter tapfer den ganzen Auftritt vor der Bühne erlebt und ließ sich nachher sogar noch ihre CD signieren. Wir haben uns dann auch ne ganze Zeit unterhalten und haben keine plausible Erklärung für die Ablehnung gefunden, wie sich herausstellte war die Lady aber bezeichnenderweise auch nicht aus Jena und nur zum Studieren da. Untergebracht waren wir für diese Nacht in nem Hotel zu dem wir uns auch bald nach Showende von Pist On aufmachten - wegen der bevorstehenden langen Fahrt nach Österreich. So sehr wir uns auch immer anstrengen um den üblichen Rockstar- bzw. Tourklischees zu entsprechen, wir werden es wohl nie schaffen. Wir waren schon vorher gelegentlich in Hotels untergebracht worden, die Zimmer waren bisher aber meist ebenerdig gelegen, da kann ja kein Mensch effektvoll nen Fernseher aus dem Fenster schmeißen... Diesmal lag unser Zimmer endlich mal im ersten Stock - und dann gabs keinen Fernseher - DAMN!!

16/06/2001

Samstag, 16.Juni 2001 Linz: Posthof

Nach Dusche und Frühstück im Hotel gings wieder ab auf die Autobahn. Diesmal war die längste Strecke zwischen zwei Gigs zu bewältigen, außerdem noch eine Landesgrenze. Fahrt lief aber recht unkompliziert, die Strecke von der Grenze nach Linz schien zwar zu fast 100% aus Baustellen und den dazugehörigen Verkehrsstockungen zu bestehen, wir waren aber gut in der Zeit, kauften uns bei einer Rast(e) unser Pickerl und waren gewappnet für die Schluchtenscheißer! In Linz gerieten wir dann noch versehentlich in eine Gruppe von Demonstranten, die mitten auf der Hauptstrasse von ihrem Recht gebrauch machten... süß! Der Posthof war dann auch super ausgeschildert und somit nicht zu verfehlen. Als wir das Gebäude dann betraten, war erst mal ne Runde Maulsperre angesagt. Die Backstageräume bestanden aus 4 Zimmern mit je 2-4 Betten, Satellitenfernsehen und Bad inklusive. Die Snacks waren auf drei Podesten aufgebaut, (die unsereiner eher von Drumrisern her kennt) die über und über mit Wurst- und Käseplatten, Schokoriegeln, Brotsorten, Müslischachteln, Obst, Kaffee, Tee, Joghurt, Chips, Nüssen usw. vollgepackt waren. Zusätzlich gab es noch zwei randvolle Kühlschränke mit Kaltgetränken und Bier (kein Hansa oder Oettinger; Becks!) - das ganze aufgebaut in einem weiteren Backstage(aufenthalts)raum, der größer als viele Clubs war, in denen wir seither gespielt haben und zudem noch nett mit Sofas, Tischen und Stühlen bestückt war. Die grade beschriebene Lebensmittelattacke war jedoch nur für den kleinen Hunger zwischendurch gedacht, es gab dann später für jeden warmes Essen a la carte im hauseigenen Restaurant! Das Essen war dann auch sehr funny, denn die Speisekarte war stellenweise schon für Deutsche nicht völlig dechiffrierbar (ich wusste vorher nicht was ein Paradeiser ist!), die Engländer von der Crew und natürlich unserer New Yorker waren da total überfordert und so hab ich erst mal die Karte übersetzt (Shit, was heisst nochmal Lauch auf englisch?)... ich glaub bei der Gelegenheit hab ich mehr mit Val gesprochen, als auf der ganzen Tour! Der Posthof ist ein städtischer Betrieb der Stadt Linz, somit hats da wirklich an gar nichts gemangelt: Der Club hat drei verschieden große Hallen, unser Gig fand in der mittleren statt, Paradise Lost und auch Wheatus waren in der selben Halle zu Gast. Die Bühne war riesig (fett mit Monitormischer, Sidefills usw.), die Lichtanlage war deutlich überdimensioniert (da hätte man auch locker die Schleyerhalle mit ausleuchten können!) und am Mischpult haben alleine drei Leute gearbeitet. Der Innenraum war schon riesig, dazu kam aber noch eine breite ansteigende Treppe über fast die gesamte Breite, die zur Empore führte. Als wir unser Backdrop ans Geländer der Empore gehängt hatten, hat der Cheflichtmischer extra noch seinen Sklaven in die Scheinwerfer hochgejagt, damit der speziell auf unser Backdrop noch nen Strahler ausrichtete - krass! ...sah aber schon gut aus! Wir konnten es echt kaum fassen. Naja, zum Zeit überbrücken und weils Wetter so gut war hab ich dann mit dem Busfahrer und Soldier von der englischen Crew angefangen im (natürlich riesigen) Hof rumzukicken. Mit der Zeit hat dann die halbe Crew und auch fast alle von Pist On mitgemacht (ratet mal, wer nicht mitgekickt hat?), wobei sich die Skills der Beteiligten entsprechend der Positionen des dazugehörigen Nationalteams verhalten haben (wobei da ja noch keiner was von der 1:5 Klatsche ahnen konnte!). Sprich: die Crew hat gerult und die Pist On Buam habens nicht so ganz geblickt (wobei Jeff echt gut dabei war, Henry dafür aber quasi nie den Ball getroffen hat...). Kurz vor Showtime sind dann tatsächlich drei Jungs aus München, die wir über silent decay kennengelernt haben, aufgekreuzt um sich die Show anzuschauen - Respekt! Ich glaub von Jack Frost, die ja aus Linz sind, war auch jemand da, bin aber gar nicht dazu gekommen mit ihm zu reden, Joschi aber. Soundcheck war schon sehr locker, kompetente Leute, die ihr Equipment kennen, der Gig war dann vom Sound her wirklich traumhaft, wir haben uns selten so gut auf der Bühne gehört, Zucker! Pist On hab ich dann später kaum mitbekommen, da ich mich heute mal drum gekümmert hab Kuddels Schlagzeug-Stuff zusammenzupacken, damit er sich gleich dem Münchner Besuch und den Getränkekühlschränken widmen konnte... Was er dann auch ordentlich gemacht hat, die drei Münchner Gäste haben wir dann in einer der Backstage-Suiten untergebracht, wo wir dann bis in die Puppen gefeiert haben Pist On sind gegen später dann mit dem Nightliner nach Stuttgart aufgebrochen nicht ohne jedoch schon vage Andeutungen zu machen, dass wir uns morgen, beim letzten gemeinsamen Gig, auf was gefasst machen müssen... Der Drummer unseres Vertrauens hat dann irgendwann kapituliert, sich dem Alkohol ergeben und wurde von Macke und seinen Münchner Kumpels in sein Bett gebracht (hauptsächlich geschleift!).

17/06/2001

Sonntag, 17. Juni 2001 Stuttgart Röhre

Nach einer recht kurzen Nacht gings wieder ab gen Heimat. Die Fahrt war recht ermüdend, wie am Tag zuvor bestand auch die Route von Linz nach Deutschland zu einem Großteil aus lecker Baustellen und somit stop and go-Verkehr. In Deutschland gings ähnlich weiter und kurz nach dem Kreuz Ulm/Elchingen wurde es dann gar so derb, dass wir von der Autobahn runter und auf Bundes- und Landstrassen nach Stuttgart gegurkt sind. Etwas später als geplant, aber noch keinesfalls zu spät zum Soundcheck kamen wir dann an der Röhre an, suchen mussten wir ja nicht, schließlich war man ja schon oft genug in der Röhre... Der Tourmanager empfing uns dann auch gleich mit der Information, dass wir in der Vorhalle auf nem winzigen Podest und nicht auf der Hauptbühne spielen müssen - was natürlich ein Joke war, aber es war ja schließlich der letzte Tag der gemeinsamen Tour. Nach dem Soundcheck kam dann Jeff auf mich zu und fragte, ob ich denn icht wüsste, wo man hier in nem Internetcafe seine Mails checken könnte. Die mir bekannten Möglichkeiten waren alle an Unis oder in Kaufhäusern und in beiden Fällen ist Sonntag mal definitiv der falsche Tag zum surfen... Ein Mitarbeiter der Röhre konnte dann aber weiterhelfen, gar nicht weit von der Röhre gabs ein Cafe, in dem man auch seine Mails checken kann - Haken war nur, daß es auch ein Schwulentreff ist. Nicht, daß ich ein Problem damit habe, ich wusste jedoch nicht, wie Jeff und Burton darauf reagieren würden... Da die beiden sich ja nicht auskannten, bin ich dann als Ortskundiger mit und hab sie hingebracht. War dan auch richtig funny, wir mussten natürlich auf nen freien Rechner warten und so hab ich Gelegenheit gehabt mal richtig mit den Jungs zu quatschen, hab erfahren, dass sie alle nen Job haben, wie das mit dem Bandsplit war und auch was ein paar andere NY-Bands so treiben... insofern hat mich der kürzlich erfolgte Ausstieg von Val auch nicht wirklich überrascht, eher schon die Erklärung dazu. Durch die Warterei auf nen freien PC rückte die Zeit unseres Auftritts rasch näher, Joschi hat mich dann auch schon ganz beunruhigt angerufen, wo ich denn stecke, hat dann aber alles noch in time geklappt... Der Auftritt war cool, wir hatten ja vorher schon in der Röhre gespielt, es waren ne Menge bekannte Gesichter und Kumpels da - nur saß uns irgendwie die Angst im Nacken, dass Pist On und/oder die Crew uns irgendwelche Streiche spielen würden. Jeff und Burton sind dann nach ner gewissen Zeit auch ständig mit Wasserflaschen bewaffnet hinter der Backline und dem Drumkit rumgeschlichen. Schließlich war dann aber der Joke, dass sie uns die ganze Zeit glauben machten, dass sie uns mit Wasser bespritzen würden, es aber dann nicht gemacht haben. Pist On hatten an diesem Abend den Gig mit den besten Zuschauerreaktionen auf der bisherigen Tour, es sind sehr viele Leute mitgegangen und man hat gesehen, dass es ihnen Spaß macht. Sie haben uns dann auch noch richtig nett in ihrem Set gegüßt und sich für die coole Tour bedankt. Da es auch der letzte der Gigs war, die Pre-Ignition-Touring gebucht hat, waren Susse und Ferdi extra nach Stuttgart gekommen - schön die Beiden nochmal zu sehen. Nach dem Gig saßen wir alle noch Backstage zusammen, haben gequatscht und was getrunken und irgendwann war es dann Zeit sich zu verabschieden. Vorher haben wir uns noch gegenseitig fotographiert, Merch und Adressen getauscht und uns versichert, wie glücklich wir mit der Tour waren. Mir war langsam richtig melancholisch zu mute, nach fast einer Woche in einer anderen Welt, hiess es jetzt wieder zurück in den Alltag; Joschi und Kuddel wurden von ihren Freundinnen abgeholt und somit wars für sie nicht ganz so krass, für mich waren die Tage danach aber irgendwie irreal und strange.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass es trotz der insgesamt gesehen geringen Besucherzahl ne tolle Sache war. Dicken Dank nochmal an Pre-Ignition-Touring, Pist On und die ganze Crew, die VW-Soundfoundation für den Bus und unsere Übernachtungs-Gastgeber - THANX!


On Stage

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Shoutbox

09/01/2012 14:57

Hallo Joschi, wünsch Dir
und deiner Familie ein
gutes neues Jahr.
Grüßle von Micha

19/11/2011 08:32

Schon viel zu lange nicht
mehr g'sehn!
Sniff...Gruss ausm
Rheinland, Melanie

24/08/2011 15:27

Hi! Warum ist Link zu
Eurer Minisite "Don't
pray to the ashes"
forbidden? Hermann aus
Dresden

27/06/2011 22:41

Hallo Jungs, hat echt
Spaß gemacht mit Euch.
Juschi

19/04/2011 20:33

Tom, bitte Mails checken!

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...ihr kennt das Anti-Spam-Spielchen ja: