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Tourtagebücher - Pull Dead

02/06/1999

Vorgeschichte

Irgendwann im letzten Jahr hab ich mal einen Brief von einem gewissen Philip Kircher aus meinem Briefkasten gezogen... Es stellte sich heraus, daß Philip bei der Band PULL DEAD rockt und gerne CDs tauschen würde; was wir dann auch getan haben. Ich bekam also ein paar Tage später die Rough Ride CD, hat mir auch sehr gut gefallen, da wir aber zu der Zeit kaum Gigs selbst organisiert haben zu denen wir PD hätten einladen können, kams erst mal nicht zu ner Vertiefung des Kontakts. Im November hatten wir dann unser 5-jähriges Bandjubiläum- bzw. 100er Gig-Feier im Ellwanger JuZe zu der ich auch Philip und seine Band eingeladen habe. Ich war entsprechend überrascht als er dann auch tatsächlich auftauchte, war immerhin ein Stück zu fahren und wir kannten uns ja auch nur sehr flüchtig... Wir hatten an dem Abend aber kaum Zeit uns näher kennen zu lernen, waren einfach zu viele Leute am Start... Tja, und dann wurde es bei uns ja auch recht turbulent: Viele Gigs, der Vertrag mit Sub Zero und dann schließlich die Aufnahmen bei denen es zum Bruch mit unserem Schlagzeuger Chris kam... Irgendwann hat auch der Philip mal im Studio in Bagdad (Backnang) angerufen, weil er mitm Ecki (Produzent und Labelboss) wegen seiner Zweitband PUBLIC ÖLIMY einen Termin klarmachen wollte. Wir haben dann spontan die Idee einer Split-Singel (VINYL !!) aus der Taufe gehoben zu der es bisher aber leider nicht gekommen ist... Naja, jedenfalls hat der Philip dann kurz darauf angefragt, ob wir nicht Lust hätten ein paar zusammenhängende Dates mit ihnen zu spielen - blöde Frage an sich... klar hatten wir Lust !!

03/06/1999

DAY 1: Donnerstag 3. Juni (Happy Kadaver Day): NÜRNBERG, KUNSTVEREIN

Was der Philip natürlich weise verschwiegen hatte als er zum ersten Mal gefragt hat ob wir mittouren werden, war, daß die Gigs in den neun Bundesländern gebucht waren - macht ja nix, waren wir noch nicht, also ab dafür !! Quasi zum Aufwärmen gab als Auftakt den Gig im bayrisch/fränkischen Grenzland. Wir haben ja schon ein paar Mal in Erlangen (Omega oder E-Werk) gespielt, war auch immer sehr erfreulich, und so machten wir uns Hoffnungen, daß bei entsprechender Werbung des Veranstalters ein paar Leute die paar Kilometer von Erlangen nach Nürnberg auf sich nehmen würden um uns zu unterstützen... Mit PD war ausgemacht, daß sie uns auf dem Weg von Stuttgart nach Nürnberg in Ellwangen um 16 Uhr aufsammeln würden damit wir so gegen 18 Uhr am KV sein würden. Coolerweise hatte David (eigentlich müßte der Mann Goliath heißen: 2 Meter groß. 2 Zentner schwer jedoch nicht fett sondern muskulös !! Wenn es einen berechtigten Grund gibt warum seine Eltern ihn David genannt haben, möchte ich die gar nicht kennenlernen... wahrscheinlich haben die Bigfootformat !!) von seinem Handballverein ein passendes Tourmobil zur Verfügung gestellt bekommen: 9-Sitzer Mercedes Bus in den die ganze Backline, inkl. Instrumente, Gepäck und Bier reingepaßt haben: perfektamente !! Gegen 19.30 Uhr waren wir dann da... nachdem wir erst mal am "Club" vorbeigefahren sind, von der Straße aus konnte man nur ein selbstgebasteltes Schild in einem Busch erkennen das den Weg wies, und zwar in den Busch - aha... Vielleicht hast Du, geneigter Leser, ja mal einen Bericht über Slumgebiete in Südamerika, den sogenannten Favelas, gesehen. Ausgetretene Lehmpfade, schiefe Hütten aus allen möglichen, gerade greifbaren Materialien, keine Fenster, niedrige Dächer usw. - all das gabs im sogenannten Kunstverein auch, inklusive dem dazu passenden Kloakengeruch der von der selbstgezimmerten, zentralen Pissrinne, den 2 Klos (das eine Modell Plumpsklo, das andere eher so die Südfrankreichvariante: Loch im Boden und zwei Backsteine für die Füße daneben !! Nina, Bassistin von PD hat doch tatsächlich eins der Klos benutzt, Frauen sind eben doch härter als Männer, ich hab beim reinen Anblick schon nen Darmverschluß bekommen !!) und ich will gar nicht wissen wovon noch alles herrührte - legger wie wir Schwaben sagen (mit 2 G wie Seggel oder auch Weggle !!). Im Innenhof saßen dann einige abgefuckte Gestalten die uns sagten, daß Lisa (die Veranstalterin) noch nicht da sei, daß sie aber demnächst schon kommen werde. Wir machten uns also ans Ausladen und schon kam das nächste Problemchen auf: Wir hatten das Basstopteil vergessen !! Gott sei Dank hat uns dann der Niko von DRY ROT sein Topteil mitgebracht und es auch für die restliche Tour zur Verfügung gestellt, der Gute !! Als nächstes hat uns dann jemand vom KV gefragt, ob wir auch Publikum mitbringen würden !! Ja klar, wir fahren 250 km und bringen dann unser eigenes Publikum mit, Moment muß nur schnell zum Bus, ich glaub es ist im Handschuhfach... Dödel !! Irgendwann trudelte dann auch mal die Veranstalterin ein, der PA-Mann war jedoch nicht anwesend und blieb den ganzen Abend über unauffindbar... mit unseren eher geringen PA Kenntnissen haben wir dann die Anlage verkabelt, Soundcheck gemacht und gegen 22.30 Uhr gings los. Trotzdem außer Pull Dead, Chick (Gitarrist von Celestial Voyage, Freunde von uns aus Nördlingen), DRY ROT (Freunde und Labelkollegen von uns aus Erlangen) und ein paar ihrer Kumpels gerade mal ein unbekannter Gast im Publikum war, hatten wir riesig Spaß beim Spielen. Nach einer guten ¾ Stunde hatten wir dann fertig und räumten die Bühne für PD. Die hatten dann einige Mühe alle auf der eher kleinen Bühne unterzubringen, PD sind zu fünft und ihr Gitarrist Dominik hatte vor kurzem auch noch ein Duell mit nem LKW verloren weswegen er einen schicken Gips am linken Bein trug und im Sitzen spielen mußte. Alle Anwesenden hatten viel Spaß, nach ein paar Songs von PD verirrten sich noch drei weitere Unbekannte in den KV die sich auch sehr angetan von PD zeigten. Ungefähr in der Mitte des PD-Sets stellte dann Schlagzeuger Gert eine seiner Hängetoms während des Spielens neben sich auf den Boden, eine Aktion, die ich erst mal nicht so verstanden habe, nach dem Gig stellte sich aber heraus, daß der Tomhalter gebrochen (!) war und wir morgen wohl noch ein Nürnberger Musikgeschäft besuchen sollten !! Ich hab an diesem Abend zum ersten Mal die neuen Songs von PD gehört und kann nur jedem empfehlen sich die neue CD "Roll on Elvis" bei Philip (Ph.Kircher@t-online.de) zu besorgen, KILLER !! Wir hatten bereits im Vorfeld drei Schlafplätze in der "Villa Gerstlauer", also beim Gitarristen von Dry Rot, gebucht und PD quartierten sich dann bei Niko ein. Wir verabredeten uns auf 11 Uhr beim Niko und ab gings gen Erlangen. Beim "Dr. Metal" Gerstlauer wurden dann noch ein paar Alkoholika vernichtet, uralte DRY ROT Videos geguckt und geschmalkt bevor es in die Heia ging.

04/06/1999

DAY 2: Freitag 4. Juni: GROSSENHAIN (bei Dresden), CONNY-WESSMANN-HAUS

Nach einem lecker Frühstück mit Croissants machten wir uns auf zum Niko. Dort trafen wir auf die total begeisterten PD, Niko und seine Eltern hatten sie nicht nur deluxemäßig untergebracht, es gab sogar noch ein Luxusfrühstück mit allen Schikanen - der Tag fing gut an !! Ging aber dann nicht so toll weiter, der erste Musikladen den wir in Erlangen wegen des Tomhalters ansteuerten hatte wegen Krankheit geschlossen - tollo !! Also ab nach Nürnberg, Michael fuhr mitm Niko voraus und so haben wir doch tatsächlich hingefunden und auch das gewünschte Teil bekommen, gegen 13.30 Uhr gings dann also los nachdem wir uns von den zwei von Dry Rot verabschiedet haben. Die ganzen Tage gings während der Fahrt immer sehr lustig zu, sächsische Konversation war Pflicht und "Ö la Paloma Blonga" wurde immer wieder angestimmt - launig !! Nach diversen Entleerungs- und einem Tankstop waren wir dann auch gegen 18 Uhr an der Ausfahrt Grossenhain. Auf der Fahrt nach Grossenhain stachen uns als erstes die Wahlplakate zur Europawahl ins Auge, aber nicht wie bei uns von allen Parteien gleichmäßig Plakate, nein !! Ein Meer von NPD Plakaten !! Kaum Werbung für andere Parteien - uns schwante Übles... Mit der netten Wegbeschreibung ("die Vorfahrtstraße knickt links ab, wir lassen sie ziehen" oder "es kommen drei Sackgassen, wir nehmen die linkeste") fanden wir dann auch zum Club. Da war dann erst mal Entwarnung angesagt: Auf dem Dach prangte ein riesiges Transparent das das Haus als antifaschistisches Zentrum auswies !! Das Conny-Wessmann-Haus liegt am Ortsrand von Grossenhain, nach hinten raus beginnt die Pampa. Der Konzertraum ist nicht zu groß und nicht zu klein, die PA ist ordentlich, der Veranstalter nett, Essen ist bereits in Arbeit und genug Platz zum Schlafen ist auch unterm Dach - looks good to me !! Nach und nach trudeln dann auch die zwei Regionalen Bands ein die heute abend mit uns zusammen rocken werden: Reflect aus Leipzig und die Lokalmatadoren Draw the Line. Nach einer kleinen Diskussion einigen wir uns auf die Reihenfolge für den heutigen Abend und widmen uns dann dem schmackhaften Mahl: Nudelauflauf a la Surprise (Vegetraisch mit viel buntem Inhalt...). Los gehen sollte es so gegen 22.15 Uhr, ab 20.30 Uhr kamen dann auch mehr und mehr Leute auf das Gelände, setzten sich ins Grüne, warfen totes Tier auf den Grill oder hatten sonstwie Spaß. Im Laufe des Abends hab ich mich dann auch mal mit dem Veranstalter Jan unterhalten wobei wir auch auf die NPD-Plakate kamen. Ich hab ihm erzählt, daß sowas bei uns nicht lange hängen würde worauf er sagte, daß sie wohl bei einer anderen Wahl mal Plakate entfernt haben die Faschos dann dafür aber ihr Mobiliar auf praktische Streichholzgröße zerkleinert haben - auch schön... Bei der Europawahlplakatierung ist dann der Ortsvorsteher der NPD dann auch höchstselbst im Haus vorbeigekommen und hat einen Handel vorgeschlagen: "Ihr laßt unsere Plakate hängen und wir zünden dafür Euer Haus nicht an !" - Wer kann dazu schon nein sagen... krasse Scheisse !! Reflect fangen dann auch halbwegs pünktlich an, mittlerweile sind wohl an die 150 Leute auf dem Gelände, es interessieren sich aber nicht allzuviele für die Jungs obwohl sie ihren Hardcore sehr überzeugend rüberbringen und der Sänger rein optisch als der 20jährige Bruder von Keith Caputo durchgeht. Das heutige Konzert war auf dem Plakat mit der Parole "Hardcore will never die" angekündigt, wir passten also nur sehr bedingt ins Lineup und erhofften uns also auch nicht die Superreaktion. Bei uns waren dann aber doch deutlich mehr Leute als bei Reflect im Saal, wir legten nen sehr tighten Gig hin obwohl ich mir bereits beim ersten Song den Oberschenkel gezerrt habe - sah bestimmt lustig aus wie ich mich danach bewegt habe... Die Leute applaudierten artig und waren auch sonst sehr freundlich. Im Laufe des Abends führte ich einige interessante und aufschlußreiche Gespräche die mich davon überzeugt haben, daß die ganzen Vorurteile größtenteils unberechtigt sind, the kids are united !! Obwohl ich mich ja schon zusammenreißen mußte um bei dem Dialekt nicht ständig zu lachen ! Komisch war auch, als mich ein Mädchen während eines Gesprächs fragte, ob wir auch von drüben wären, da mußte ich erst mal umdenken als sie das sagte, sie meinte mit drüben nämlich den Westen! PD waren dann die richtige Band zur rechten Zeit, mit ihrem metallischen Hardcore trafen sie genau den Nerv des Publikums und die energiegeladene Show tat ein übriges um sie zu den Gewinnern des Abends zu machen. David nutze eine stämmige Lady im Publikum als spontane Inspirationsquelle und sagte den Song Boozer in Love als Busenalarm an - der Gag des Abends !! Als Abschluß des Abends gingen dann Draw the Line auf die Bühne. Da sie ja quasi die Lokalmatadoren waren, hatten wir erwartet, daß sich jetzt der Großteil der Leute in den Saal begeben würde und die Jungs und ihren Hardcore abfeiern würde, dem war aber nicht so, gerade mal 30 Leute verfolgten deren versierten Auftritt - strange... Kuriosität am Rande: Als ich mich an der Kasse über den Eintrittspreis informierte fiel mir auf, daß es zwei verschiedene Preise gab. Konzert 8 DM und erster Stock 4 DM. Ich checkte in Gedanken den oberen Stock: Da wäre zunächst mal der Backstageraum in dem wir dann auch schlafen würden, dann das Büro das aber ebenso wie die Werkstatt abgeschlossen war, die Toilette für die Ladys und ein weiterer kleiner Raum in dem ich im Vorbeigehen auch noch Matratzen auf dem Boden gesehen hatte. Was ging also in dem Raum ab wofür die Kids bereitwillig 4 DM blechten ?? Fernseher ? Playstaion ? Schweinkram ??? Denkste, alles was es in dem Raum gab waren die erwähnten Matratzen die aber keinesfalls für Schweinkram genutzt wurden !! Die haben da nur gekifft und dafür 4 DM gezahlt - Drugs NOT included !! Also das hätten sie doch bei dem tollen Wetter doch auch draußen im Grünen machen können ! Wir hatten noch ne Menge Spaß nach dem Gig, es wurden einige mehr oder minder chaotische Fotos geschossen und wir haben ordentlich wie wir ja sind versucht die Getränkevorräte im Backstagebereich zu verbrauchen, gegen 4 in der Früh war dann Schicht.

05/06/1999

DAY 3: Samstag 5.Juni: GERA; KLISCHEE

Mit Jan war ausgemacht, daß er so gegen 10/11 Uhr wieder im Haus ist, wegen Frühstück. Wir sind dann alle von selbst aufgewacht, von Jan war aber erst mal weit und breit nichts zu sehen. Ein anderer Mitarbeiter des Hauses (Sven vom PLACEBO-Mag) hat uns dann ein paar Brötchen rausgegeben samt Salami, Käse und Marmelade; außerdem gabs noch Kaffee und somit war dann das Frühstück auch gerettet, zwar kein DRY ROT - Niveau, aber ordentlich. Gegen Ende des Frühstücks schaute dann auch der Jan vorbei, hatte verschlafen, da er die ganze Nacht Geld zählen mußte (Eigenaussage). Nach der Koffeinaufnahme haben wir dann wieder unseren Tourbus beladen, uns verabschiedet und uns auf den Weg nach Gera gemacht. Da wir es ja nach Thüringen nicht so weit hatten, haben wir noch Halt an nem See gemacht, uns in die Sonne gelegt und ein paar Tretboote geentert, Entspannung muß ja auch mal sein... Nach kurzer Zeit haben wir in Gera auch den Club gefunden, lag ein bißchen versteckt der Eingang so daß wir erst mal vorbeigefahren sind und uns dann per Handy haben einweisen lassen (ein Hoch auf die moderne Kommunikationstechnik !!). Das Klischee ist im Kellergeschoß einer Fabrikhalle untergebracht, dementsprechend groß waren die Räume. Als wir in den Laden kamen, war ein Großteil der Anwesenden damit beschäftigt eine monströse Schrankwand abzubauen um sie anschließend hinter der Theke wieder aufzubauen. Zwei weitere Leute waren dabei die Bühne aufzubauen, d.h. sie sägten Holz, daß teilweise gerade mal das Format eines DINA4 Blattes hatte zurecht um daraus ein Gebilde herzustellen, das mindestens drei Höhenniveaus hatte, an mehreren Stellen bedenkliche Geräusche von sich gab und auch sonst einen wenig vertrauenerweckenden Eindruck hinterließ - ganz abgesehen davon, daß die sogenannte Bühne gerade mal 10 cm hoch war... besser als gar nichts. Die PA war zwar nicht riesig, aber ausreichend für den Raum, der Veranstalter war nett und wir spielten wieder mit einer regionalen Vorgruppe - sollte eigentlich ein guter Abend werden. Wir wurden dann auch gleich zu Tisch gebeten, es war angerichtet !! Der Tisch war wie für uns geschaffen: rund und mit exakt 8 fest montierten Kinosesseln drumrum - perfekt !! Das Essen war auch sehr lecker, es gab Kartoffelsalat, hört sich jetzt vielleicht unspektakulär an, son Kartoffelsalat hatte ich aber im Leben noch nicht gesehen bzw. gegessen. Da war echt alles drin: Eier, Rote Bohnen, Artischocken (!), Zwiebeln, Karotten, saure Gurken und unter anderem doch auch Kartoffeln - supercool und auch noch vegetarisch !! Etwas verwirrend war, daß die ganze Zeit Musik kam, ich glaub es waren wohl Ramones, Problem war nur, daß die Platte wohl auf 20 U/min lief, very doomig... hat da aber keinen gestört !! PD haben dann nen kurzen Soundcheck gemacht, danach durften dann die Local Heros ran. Und jetzt bitte festhalten, die Band hieß: (Trommelwirbel!!) BESAMUNGSUNION !! Kein Scherz !! ...und jetzt drei mal raten was die Union für Musik spielt !! Genau ! Punk ! In meiner Beliebtheitsskala gleich hinter Volksmusi, Ska und Reggae... Wir haben dann den Soundcheck der Herren auch im Bus verbracht, Joschi hat noch ne Mütze Schlaf genommen, ich hab was gelesen und später mit Niko telefoniert da wir ja in der selben Nacht noch heimfahren wollten und ich das Topteil wieder abliefern mußte. Entsprechend der Vorgruppe bestand dann auch der Großteil der ca. 70 Anwesenden aus Punks die sich die Besamungsunion (what a name !!) auch wohlwollend anschauten, aber auch nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrachen. Das schärfste waren dann auch die Songtitel bzw. Texte der Jungpunks (Durchschnittsalter schätzungsweise bei 20 Jahren): "Hurra es regnet Votzen", "Kacken bis das Fallrohr bricht", "Rock and Raul" (weil wohl der Drummer Raul heißt, der Song basierte auf nem astreinen Rock and Roll - Schema, cool an sich), "Gera wir hassen Dich" (mit dem kultigen Refrain: Brennende Autos, brennende Faschisten) und "Fuck the USA". Bei der Ansage des letztgenannten Titels konnte ich mir den Einwurf "Warum denn?" nicht verkneifen was dann zu minutenlanger Ratlosigkeit und schließlich einem dahingebrabbelten "das erklärt sich von selbst..." führte, think before you speak man... Mal abgesehen von kleineren ideologischen Schwächen und dem quasi nicht vorhandenen Gitarrensound ging der Gig der Jungs schon ok, besonders der Basser war echt fit. Nach einer derartigen Vorband hatten wir es im Anschluß natürlich doppelt schwer. Einerseits komplett andere Musik und dann auch noch so politisch radikal - wir mußten reagieren. Der Gedanke das komplette Set lang Drei-Akkorde Punkmucke mit entsprechend krassen Texten zu improvisieren wurde relativ schnell überstimmt (ich fands ne gute Idee...), wir einigten uns aber darauf, unsere Songs spontan umzubenennen. Wir spielten das selbe Set wie am Vortag in Grossenhain, wählten aber so provokante Songtitel wie "Fuck the Police", "Fucking in LA", "Copkiller" und (Achtung superradikal !!) "Fuck Lichtenstein". Bin mir ja immer noch nicht im Klaren ob Gera uns verstanden hat, die PD-Leute haben sich aber halb tot gelacht... Der Gig war, verglichen mit den zwei Vortagen, der schwächste. Kuddel konnte ohne Drummonitor natürlich nicht superexakt arbeiten und die Lichtanlage war so genial eingestellt, daß man garantiert überall auf der Bühne voll geblendet wurde, schlau !! PD entsprachen mit ihrem hardcorelastigen Sound dann wieder eher dem Publikumsgeschmack und rockten das Haus nach Strich und Faden. Als Philip dann dummerweise eine Saite riß, kündigte David kurzerhand einen Punksong an. Seine Bandkollegen reagierten auch geistesgegenwärtig, starteten mit ner schmissigen Drei-Akkorde Punknummer worauf David dann aus dem Stand seine radikale Textbotschaft legte: "Deutschland, Deutschland, volle Kanne Widerstand" und in der Strophe dann "Ich scheiß auf das System, Politiker müssen gehn !!"- supermegacool !! Auch Busenalarm kam wieder zum Einsatz, außerdem wurde "Forkhead" spontan in "Joschihead" umbenannt... Wir hatten mit unserem Set sogar einen Zuschauer zum CD-Kauf animiert, Problem war nur, daß der Mann nicht flüssig war, d.h. er hatte nur nen 5 DM Schein bei sich. Zum Zeichen seiner Zahlungskraft präsentierte er uns dann seine EC-Karte, dummerweise kann man bei uns immer noch nicht mit Karte zahlen (rückständig wie wir sind, unverzeihlich !). Als Krönung forderte er Joschi dann noch auf ihn zu einem Geldautomaten zu chauffieren, ich weiß ja nicht, aber bei uns ist das eigentlich nicht üblich, daß man nachdem Gig noch das Taxiunternehmen für Kaufwillige macht, andere Länder...und dann hat er auch noch seine EC-Karte Backstage vergessen !! Nach dem Konzert machten wir uns dann auch recht bald auf den Weg, wir hatten ja noch ne lange Heimfahrt vor uns. Gegen 6 Uhr morgens haben wir Niko dann heimlich, still und leise sein Topteil mit ein paar Dankesgeschenken vor die Tür gestellt und um 7.30 Uhr haben wir auch schon unser Equipment im Proberaum verstaut. Fazit: Wir hatten ein Endgeiles Wochenende, drei tolle Auftritte, haben uns alle super verstanden und freuen uns schon jetzt auf zukünftige gemeinsame Gigs. Noch mal dicken Dank an Pull Dead für die Einladung !! Checkt unbedingt ihre neue CD "Roll on Elvis" ab, ist garantiert kein Fehler !!


On Stage

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Events

«Juni 1999»
MoDiMiDoFrSaSo
31123Gigs:
Nürnberg, Kulturv...
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Grossenhain
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Gera, Klischee
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THC Amplification TecAmp Bass Players' Gear

Shoutbox

09/01/2012 14:57

Hallo Joschi, wünsch Dir
und deiner Familie ein
gutes neues Jahr.
Grüßle von Micha

19/11/2011 08:32

Schon viel zu lange nicht
mehr g'sehn!
Sniff...Gruss ausm
Rheinland, Melanie

24/08/2011 15:27

Hi! Warum ist Link zu
Eurer Minisite "Don't
pray to the ashes"
forbidden? Hermann aus
Dresden

27/06/2011 22:41

Hallo Jungs, hat echt
Spaß gemacht mit Euch.
Juschi

19/04/2011 20:33

Tom, bitte Mails checken!

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...ihr kennt das Anti-Spam-Spielchen ja: